franz PETTO
ART BRUT & HUMOR
Eating ART with a Spoon
ICD F21 ARTIST

Über die Kunst:
Die Kunst gleicht eher dem riesigen Komposthaufen in meinem Garten, denn der sterilen Säuglingsstation in der ich eigentlich geboren wurde. Beim Versuch ein Künstler zu werden sind schon viele ertrunken, im Saft der eigenen Empfindungen. Natürlich kann man Kunst nicht studieren, auch gibt es niemand, der etwas davon versteht. Die Geschichte wird bloß von den Siegern geschrieben, so auch die Kunstgeschichte. Dabei entstehen dann diese seltsamen Ungereimtheiten: Wenn einer eine Mondfahrt unternimmt und sich dabei verschluckt, an diesem hässlichen Mondstaub… Zum Glück habe ich nicht Kunstgeschichte studiert, diese reinste Form des gänzlich Nutzlosen. Ich traue seit Kindesbeinen niemand, eine frisch getünchte Tafel kommt mir verdächtig vor. Wenn ich mich überwinde und zu malen beginne, wird es kompliziert. Ich trete dabei immer weiter zurück, um nicht die Oberhand zu verlieren. Wenn ich aber wie zum Trotz nichts male, wochenlang vielleicht auch ein Jahr, um sie alle auszuhungern, und die ganze Zeit nur darüber rätsele, ob sie nun schon alle verhungert sind… Und schließlich resigniert einen Pinsel in die Hand nehme nur mit der Begründung, dass er nicht verfault im Waschwasser, dann sind sie auf einmal alle wieder da, diese unsäglichen Gedanken.

Zu den Bildern:
Die Bilder von franz PETTO sind am ehesten der ART BRUT zuzuordnen, er sei zwar wie er sagt, kein Weinhändler so wie JEAN DUBUFFET, dafür aber Biertrinker und als solcher ganz sicher ein Autodidakt… Seine Bilder entsprechen einer klassischen Malerei, so wie sie die ALTEN MEISTER vorgezeigt haben, sind jedoch sehr wild und spontan, im Moment gemalt. Er ist seinem Stil treu geblieben und hat ein umfassendes Werk seit 1980. Sein Material ist das der ARTE POVERA, er ist Schüler von EMILIO VEDOVA. Im Amerikanischen Raum gilt er als STREET ART Künstler. Aber sein Fundus ist nicht die Straße, sondern vielmehr seine Innenwelt. Er selbst sieht sich als ART BRUT Künstler. Sein Werk ist von psychischen Krisen geprägt. Sicher ist er kein akademischer Maler im herkömmlichen Sinn, obwohl er sich der klassischen Malerei verpflichtet fühlt. EMILIO VEDOVA soll IRONIA bei seinen Bildern ausgerufen haben und in großen Lettern auf eine Wand geschrieben, dies war prägend für ihn.
Der Maler franz PETTO blieb immer ein AUSSENSEITER (OUTSIDER) sein ganzes Leben lang. Den tragischen Ereignissen in seiner Kindheit begegnet er stets mit HUMOR und IRONIE. Seine Bilder erscheinen manchmal etwas SKURRIL, aber dies alles wird nie zum Selbstzweck, es muss nicht lustig sein um jeden Preis, er kann eine gewisse Tragik durchaus auch stehen lassen.
Der Maler franz PETTO meidet alles Vorgefertigte, sowohl in seinem künstlerischen Ausdruck, als auch in seinen Farben und Bildträgern, er verwendet meist Baumaterial. In der Erkenntnis, dass auf dem Kunstmarkt sowieso schon alles gemacht wurde, hat er sich auf das Fundament der ALTEN MEISTER zurückgezogen, aber mit modernen Mitteln. Seine Bilder entstehen im Spannungsfeld einer sehr tradierten Malerei einerseits, bei der es auf feine Farbnuancen ankommt, und einer gestisch, rohen Malweise (RAW ART), die dem Augenblick gerecht zu werden versucht. Im Augenblick entsteht dann jenes innere Bild, das er sehr schnell auf den Bildträger bannt. Er malt nie etwas ab, alles entsteht aus der Erinnerung. Jedes Bild ist eine kleine Bühne, auf der etwas erzählt wird, kleine, kurze Geschichten. In Symbiose mit dem Titel entsteht so ein Spannungsfeld, das hinter die Dinge blicken lässt. Dieser Blick wurde durch seine etwas traurige Kindheit geschärft. Seine Eltern haben mit Müh und Not den Krieg überlebt. Er wurde in eine traumatisierte Familie geboren. Es ist das alte Lied von beinahe Ausrottung und Vertreibung. Dieses Lied hat seine früheste Kindheit geprägt und ist immanent. Es ist aber keinerlei Verbitterung in seinen Bildern zu spüren. Er begegnet allem mit einer ihm zutiefst innewohnenden, feinen IRONIE. So nimmt er Bezug zu allen möglichen gesellschaftlichen Themen, nicht als Kritiker der etwas besser weiß, sondern vielmehr als Chronist. Die Dinge fühlbar zu machen, auf jenes menschliche Maß zu reduzieren, darauf kommt es ihm an. Er ist auch ein Chronist seines eigenen zurückgezogenen Lebens, das durch alle möglichen Höhen und Tiefen führt. Zum Abschluss lassen wir ihn noch etwas zu seinen Figuren sagen:
„Es sind sehr spontan gemalte WESEN, die Mimik und die Körpersprache spielen eine entscheidende Rolle. Es ist das was wir von einander wirklich wahrnehmen, vom Geruch einmal abgesehen.“